{"id":153,"date":"2014-11-17T13:52:51","date_gmt":"2014-11-17T12:52:51","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.1.104\/enfold-blog\/?p=55"},"modified":"2026-06-19T10:47:01","modified_gmt":"2026-06-19T08:47:01","slug":"laesst-sich-resilienz-trainieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/carelink.ch\/en\/laesst-sich-resilienz-trainieren\/","title":{"rendered":"L\u00e4sst sich Resilienz trainieren?"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: center;\">Milit\u00e4rpsychologe Hubert Annen* \u00fcber ein Programm der US-Armee.<\/h2>\n<blockquote><p>Resilienz, die psychische Widerstandskraft gegen\u00fcber schwierigen Umst\u00e4nden, besch\u00e4ftigt weiter. Carelink vertieft deshalb das an der Freiwilligentagung 2015 und im Newsletter lancierte Thema. Nach dem Interview mit Ulrike Ehlert \u2013 siehe Newsletter-Archiv \u2013 schildert jetzt Milit\u00e4rpsychologe Hubert Annen*, wie die US-amerikanische Armee damit umgeht.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sowohl der berufliche als auch der private Alltag werden immer herausfordernder. Leistungs- und Zeitdruck, Informationsflut sowie die st\u00e4ndige Erreichbarkeit f\u00fchren zu Stress oder Burnout. Dass dies regelm\u00e4ssig von den verschiedensten Presseerzeugnissen \u2013 vom Blick am Abend bis hin zu Fachzeitschriften \u2013 thematisiert wird, unterstreicht die Bedeutung, welche die Gesellschaft diesem Problem einr\u00e4umt.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang st\u00f6sst man vermehrt auf den Begriff der Resilienz, womit der erfolgreiche Umgang mit belastenden Situationen gemeint ist. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei nicht mehr die Stressoren, deren negative Folgen und die Behandlung der betroffenen Menschen. Vielmehr besch\u00e4ftigt man sich mit den Faktoren, die einen Menschen bef\u00e4higen, trotz schlimmer Erlebnisse oder schwieriger Rahmenbedingungen psychisch gesund zu bleiben und oft sogar daran zu wachsen. Dabei gibt es grunds\u00e4tzlich zwei Betrachtungsweisen. Zum einen geht man davon aus, dass Resilienz mindestens teilweise eine Veranlagung ist und Personen somit unterschiedliche Voraussetzungen haben, eine Herausforderung oder einen Schicksalsschlag zu meistern. Wie im physischen Bereich Ausdauer, Kraft und starke Gelenke vergleichsweise gute Voraussetzungen daf\u00fcr sind, k\u00f6rperlichen Anstrengungen erfolgreich zu begegnen, gelten im mentalen Bereich Optimismus, erlebte Selbstwirksamkeit und Gelassenheit als hilfreich, um belastende Situationen schadlos zu \u00fcberstehen. Zum anderen wird angenommen, dass Resilienz \u2013 \u00e4hnlich wie die physische Fitness \u2013 trainierbar ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>200\u2018000 psychisch versehrte Soldaten<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Ansatz diente der amerikanischen Armee als Basis, als sie vor f\u00fcnf Jahren das Programm f\u00fcr \u00abComprehensive Soldier and Family Fitness\u00bb einf\u00fchrte. Bis zu jenem Zeitpunkt waren mehr als 1,6 Millionen Soldaten im Kriegseinsatz im Irak oder in Afghanistan gewesen. Ausgehend von der vorsichtigen Sch\u00e4tzung, dass 12 bis 15 Prozent dieser Soldaten mehr oder weniger stark psychisch traumatisiert nach Hause zur\u00fcckgekehrt waren, kam man auf die beeindruckende Zahl von 200\u2018000 psychisch versehrten Armeeangeh\u00f6rigen. Dass unter diesen Umst\u00e4nden der klassische Diagnose-\/Behandlungsansatz nicht ausreichte, lag auf der Hand. Also verlagerte man mit der Initialisierung eines Resilienztrainings den Schwerpunkt auf die Pr\u00e4vention, deren Ziel der damalige Stabschef der Armee, George W. Casey, auf den Punkt brachte: \u00ab(&#8230;) so our soldiers can \u201abe\u2018 better before deploying to combat, so they will not have to \u201aget\u2018 better after they return.\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ausbildung zum Master Resilience Trainer<\/strong><\/p>\n<p>Um innert kurzer Frist m\u00f6glichst viele Armeeangeh\u00f6rige erreichen zu k\u00f6nnen, wurde ein Train-the-Trainer-Ansatz gew\u00e4hlt. Dabei werden Unteroffiziere w\u00e4hrend eines zehnt\u00e4gigen Intensivkurses zu so genannten Master Resilience Trainers (MRT) ausgebildet. Der MRT-Kurs besteht aus vier Modulen. Im ersten werden die Teilnehmenden mit dem Konzept der Resilienz bekannt gemacht. Danach geht es im zweiten Modul um die relevanten Kernkompetenzen von Resilienz und insbesondere, wie man sie erlernen und weiterentwickeln kann. So werden unter anderem die pers\u00f6nlichen Denkmuster er\u00f6rtert und die Frage, inwiefern sie sich in bestimmten Situationen ung\u00fcnstig auswirken. Zur Anwendung gelangen dabei bew\u00e4hrte Methoden aus der kognitiven Verhaltenstherapie oder aus der Sportpsychologie. Im dritten Modul identifizieren die Teilnehmenden die eigenen Charakterst\u00e4rken, um dann zu besprechen, wie sie zum Beispiel Humor, Mut, Beharrlichkeit oder Weisheit nutzen k\u00f6nnen, um das Teamwork zu verbessern oder un\u00fcberwindbar scheinende Hindernisse zu \u00fcberwinden. Schliesslich steht im vierten Modul das Aufbauen und St\u00e4rken von Beziehungen im Zentrum. Ge\u00fcbt werden dabei das aktive Zuh\u00f6ren und Antworten, das Zeigen von Wertsch\u00e4tzung sowie die zielf\u00fchrende Anwendung verschiedener Kommunikationsstile. Dergestalt ausgebildet, kehren die Unteroffiziere zu ihren Einheiten zur\u00fcck und geben ihr Wissen den Soldaten weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Effekt des Resilienztrainings<\/strong><\/p>\n<p>Nun stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, ob dieses Training denn auch wirkt. Die bisherigen Evaluationen zeigen, dass Soldaten in Einheiten, in denen das Resilienztraining durchgef\u00fchrt worden ist, ihre Resilienz und mentale St\u00e4rker deutlich h\u00f6her einsch\u00e4tzen als ihre Kameraden, die das Training nicht durchlaufen haben. In spezifischeren Untersuchungen stellte man zudem fest, dass das Resilienztraining den Optimismus sowie die Anpassungsf\u00e4higkeit der Teilnehmenden verbessert, was wiederum zu einem R\u00fcckgang an psychischen Problemen f\u00fchrt. Und mit der Beobachtung, dass in Einheiten mit Resilienztraining der Alkohol- und Drogenmissbrauch abnimmt, konnte sogar ein objektiver Effekt nachgewiesen werden.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Studien stiess man \u00fcberdies noch auf Faktoren und Bedingungen, welche die Wirkung des Trainings beg\u00fcnstigen. So scheinen j\u00fcngere Soldaten zwischen 18 und 24 Jahren besser auf die Intervention anzusprechen als \u00e4ltere Armeeangeh\u00f6rige. Besonders wichtig ist jedoch, dass das Training ein Bestandteil des offiziellen Ausbildungsprogramms ist, die Master Resilience Trainer sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlt werden und ihre Aufgabe seri\u00f6s und motiviert wahrnehmen und dass das ganze Programm von den Vorgesetzten sichtlich unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Ansatz des Resilienztrainings einiges verspricht. Wunder kann und soll man jedoch nicht erwarten. Ist das Resilienztraining richtig eingebettet, d\u00fcrften sich indes positive Effekte einstellen. Diese Erkenntnis dient sicher auch weiteren Organisationen, etwa aus dem Gesundheits- und dem Blaulicht-Bereich, denn Resilienztrainings setzen ein deutliches Zeichen f\u00fcr eine Unternehmenskultur, in der Sorge zu den Mitarbeitenden getragen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"legende\">* Dr. phil. Hubert Annen ist Psychologe und Dozent f\u00fcr Milit\u00e4rpsychologie und Milit\u00e4rp\u00e4dagogik an der Milit\u00e4rakademie der Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschule in Z\u00fcrich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Resilienz, die psychische Widerstandskraft gegen\u00fcber schwierigen Umst\u00e4nden, besch\u00e4ftigt weiter. 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